Man muss selbst neugierig bleiben, um die Welt mit den Augen der Kinder zu sehen, die sie einfach nur verstehen wollen.
Ein Beinbruch ist selten ein Glücksfall. Bei Claudia Frei jedoch schon. Denn dadurch eröffnete sich ihr ein völlig neuer Weg in die Pädagogik. Als ihre Nachbarin sich das Bein brach, sprang sie als Aushilfe am Mittagstisch ein. Ab diesem Moment war sie fasziniert von der Arbeit mit den Kindern. Aus dem spontanen Einsatz wurden letztlich elf Jahre. Anfangs schöpfte sie nur das Essen und räumte auf, doch nach und nach wuchs Frau Frei immer tiefer in den gesamten Betreuungsbetrieb hinein. Es bereitete ihr enorme Freude, die Kinder genau dort abzuholen, wo sie in ihrer Entwicklung standen. Zudem liess sich die Arbeit perfekt mit dem Alltag als Mutter vereinbaren.
Mit dem Zuspruch ihrer damaligen Leitung beschloss Frau Frei, damals 50-jährig, die Ausbildung zur Fachperson Betreuung (FaBe) zu absolvieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss arbeitete sie zunächst in Kitas, wo sie vornehmlich die Jüngsten in der Babygruppe betreute und wertvolles Wissen abseits des Hortalltags sammelte.
2023 startete Frau Frei bei der Lip als Fachperson Betreuung im Hort. Aufgrund ihres reichen Erfahrungsschatzes wurde sie ermuntert, die Montessori-Ausbildung für die Altersstufe von drei bis sechs Jahren zu machen. So setzte sie sich mit 58 Jahren noch einmal an die Schulbank und schloss das Diplom erfolgreich ab. Seither arbeitet sie nun mit viel Freude als Montessori-Lehrperson.
Dem Schulalltag begegnet sie mit etwa gleich viel Neugier wie die Kinder. Dadurch wird beispielsweise schon der Weg zum Waldspielplatz zu einer grossen Entdeckungsreise. Die Natur ist für Frau Frei sowieso der beste Lernort: Hier kann man Tiere und Pflanzen entdecken, sich bei eisigen Temperaturen durch Schlitteln warmhalten oder mit Steinen und Stöcken erste Rechenaufgaben lösen: Draussen lässt sich alles machen und die Kinder lernen spielerisch.
Und so schliesst sich der Kreis: Denn nur durch diese Offenheit und Neugier hat Frau Frei damals überhaupt den Weg in die Pädagogik gefunden. Man könnte fast meinen, dass sie ihr Lieblingsbuch «Das Café am Rande der Welt» als Bedienungsanleitung nutzte. Dass damals alles so wunderbar ineinandergriff, ist auf alle Fälle ein echter Glücksfall für die Lip.