Lip Schule Zürich

Denken • begleiten • analysieren • lernen

Publikationen – Schulkonzept

Schulkonzept und Präsentation der LIPSCHULE

Andrea Beerli-Schuchter

Ausgehend von der Annahme, dass Selbstmotivation die Grundlage für Lernen ist, bedürfen Selbstkompetenz und Eigenverantwortung bei den Schülerinnen und Schülern besonderer Förderung.

Das pädagogische Konzept verfolgt den personzentrierten Ansatz nach Carl R. Rogers mit dem autonomen, eigenverantwortlichen Lerner im Zentrum. Dieses Konzept verlangt von den Lehrpersonen einen hohen Stand an Professionalität, Teamfähigkeit und die Überzeugung, dass Selbstmotivation die Grundlage für Lernen bildet. Grundsätzlich kann diese Arbeitsweise auch an öffentlichen Schulen realisiert werden. Meist liegt aber der Hinderungsgrund in einem fehlenden einheitlichen pädagogischen Konzept, das alle Kolleginnen und Kollegen unterstützen. Wenn jeder seiner eigenen Methode und Überzeugung nachgeht, kann keine Schulhaus- und Lernkultur entstehen. Sicherlich ist auch eine geeignete offene Infrastruktur förderlich. Transparenz in den Räumen wirkt sich unmittelbar auf das Befinden der dort Arbeitenden aus.

Mutter eines 6.-Klässlers
Nach jahrelangem Leiden hat mein Sohn nur noch selten Migräneanfälle. Er steht morgens wieder ohne Jammern auf, lacht, erzählt von der Schule; er ist wieder ein normales Kind. Früher wurde er gehänselt, vom Lehrer mit Aussagen wie: "Das hast du bestimmt nicht selber gemacht!?", demotiviert und litt furchtbar unter dem permanenten Leistungsdruck. Als normal intelligenter Junge konnte er sein Potenzial kaum ausschöpfen. Wir waren ratlos! So blieb uns kein anderer Weg mehr offen als jener zu einer Privatschule ...

Unser Angebot ist für rund 100 Schülerinnen und Schüler der 4. bis 9. Klasse konzipiert, wobei auf der Primarstufe ca. 40%, auf der Sekundar-stufe ca. 15% zu den Kindern mit hohen Begabungen gehören. Unsere einzige Einnahmequelle sind die Schulgelder. Der Kanton Zürich kennt keinerlei finanzielle Unterstützung der Privat-schulen. Nur ein paar wenige Kinder werden von ihrer Wohngemeinde bezahlt. Trotzdem können wir dank sparsamem Umgang mit dem Budget unseren Lehrpersonen die gleiche Entlohnung zukommen lassen, wie sie beim Staat verdienen würden.

Auf die Sozial-, Kooperations- und Kommunikationskompetenz kommt es an

Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler hat die Staatsschule nicht freiwillig verlassen. Viele haben unter Mobbing, sei es von Schüler- und/oder Lehrerseite, gelitten, andere reagierten über den fremdbestimmten Leistungsstress mit psychosomatischen Symptomen, ein Teil konnte oder durfte sein Potenzial nicht ausschöpfen, was zu den oft beschrie-benen verhaltenskreativen oder depressiven Reaktionen führte. Kurz, die Schülerschaft setzt sich mehrheitlich aus hoch sensiblen, von der Gesellschaft oft als "schwierig" titulierten Kindern zusammen. Ihre Leistungsfähigkeit ist aber so verschieden wie sie selbst.

Trotz grosser Toleranz gelten an der LIPSCHULE aber klare Aufnahmekriterien. Nicht die Schulleistungen sind ausschlaggebend; es ist die Sozial-, Kooperations- und Kommunikationskompetenz. Zudem verlangen wir von den Jugendlichen, dass sie innerhalb des Tagesbetriebes keine Suchtmittel anwenden. Im Eingangsgespräch erläu-tern wir diese Ansprüche mit dem Kind und den Eltern eingehend. Als zweiter Schritt im Aufnahmeprozedere folgt eine Probe- respektive eine Schnupperwoche. Während dieser Zeit können wir das Kind beobachten und das Kind selbst lernt den Tagesablauf, die Arbeitsweise und die Schulkultur kennen. Eine definitive Aufnahme erfolgt nur, wenn alle Parteien eine klare Zusage geben. Sicher könnten viele Schwierigkeiten an öffentlichen Schulen gemindert werden, wenn auch dort sowohl Eltern als auch deren Kinder Bedingungen für eine Aufnahme erfüllen müssten.

Unsere Schüler sind denn auch stolz darauf, an der LIPSCHULE zur Schule gehen zu dürfen - eine wesentliche Voraussetzung auf dem Weg zum Wir-Bewusstsein. Trotz einer nicht ganz einfachen Zusammensetzung unserer Schüler sind wohl diese Grundbedingungen einer klar umschriebenen Motivation für den Erfolg mitverantwortlich.

Was macht den Erfolg aus?

Lehrpersonen müssen Fachleute sein

Von der Fremd- zur Selbstbestimmung

Schüler, die nicht wie wetterfeste Tannen im Leben stehen, erfahren die Regelschule häufig als unausweichliches Muss: Inhalt, Ziele, Methode, Strukturen sind gegeben (so auch an der LIPSCHULE), allerdings sind sie häufig wenig kindgerecht. Hinzu kommt, dass innerhalb der Abläufe die eigene Person wenig relevant ist. Erfahrungs-gemäss führen Anpassung und geschicktes Lernverhalten zu Erfolg, das heisst zu guten Noten. Letztere sind leider - trotz besserer Erkenntnisse - einzig ausschlaggebend für die weiterführende Karriere. Träges Wissen steht vor Bildung, Noten stehen vor der persönlichen Entwicklung.

Doch Hand aufs Herz, Noten im hohen Segment sind kein Garant für ein erfolgreiches Lebenskonzept. Ein Mensch ohne Handlungskompetenz, mit fehlender Kooperationsbereitschaft und mit mangelndem Selbstwert-gefühl wird sich nie an einem Arbeitsplatz mit Anspruch auf vernetztes Denken und soziales Handeln entfalten können. An der LIPSCHULE steht deshalb die Förderung der Selbstkompetenz und Eigenverantwortung im Vordergrund.

Mentale Modelle

Besonders belastend können die geprägten Wertvorstellungen der Lehrpersonen sein:
"Das ist zu kompliziert für dich." – "Er/Sie könnte, wenn er wollte." – "Lernen braucht Ruhe." – "Ich erkläre nicht alles dreimal." – "Heutzutage sind die Kinder schwieriger."
Die positive Grundhaltung, die Begeisterung, die Echtheit, die Zuversicht und Wertschätzung der Lehrperson sind erwiesener-massen zu einem grossen Teil ausschlaggebend für den Lernerfolg. Nebst diesen Persönlichkeitsmerkmalen der Lehrperson heisst es, das Kind wahrzunehmen, seine Eigenart zu respektieren, dessen Ressourcen zu erkennen, zu fördern und zu fordern.

Für viele unserer Schüler ist diese Haltung neu. Sie bewirkt in kürzester Zeit eine Verhaltensänderung. Die Kooperationsbereitschaft rückt in den Vordergrund. Kein Kind will nicht! Kein Kind sucht grundsätzlich Opposition. Doch jedes Kind will wahrgenommen werden. Und jedes gesunde Kind sucht Grenzen, Auseinandersetzung, Wertmassstäbe, Orientierung und Autonomie.

Der selbstverantwortliche Lerner – "personal mastery"

Zur generellen Orientierung sind sämtliche Stoffpläne und Lernziele aller Jahrgänge offen und visualisiert. Ebenso transparent sind die fixen Wochenstunden: Was wird wann wo mit welchem Ziel von der Lehrperson unterrichtet? Innerhalb dieser vorgegebenen Strukturen sind die Lernpläne persönlich. Während ca. 50% der Schulzeit beschäftigen sich die Schüler mit ihrer eigenen Lernagenda; sie können gemäss ihrem Lerntypus und ihrem Lerntempo arbeiten. Besonders stark gewichten wir dabei die Lernreflexion und versuchen dafür eine Sensibilität zu schaffen für zielgerichtete Fragen. Was habe ich gelernt? Warum? Weshalb hatte ich Erfolg/Misserfolg? Welche "big points" setze ich für das weitere Fortkommen? Welches ist der nächste Schritt? - Schwächen, vor allem aber auch Stärken sollen bewusst werden.

Ziele werden in Verträgen festgehalten, die individuell zusammen mit der Lehrperson entstehen. Als solche sind sie für alle Lehrpersonen einsehbar. Sie werden regelmässig überprüft und allenfalls angepasst. Damit erhalten sie ein Gewicht; sie werden verbindlich.

Die persönliche Betrachtung führt den Schüler zur Eigenverantwortung. Schuldzuweisungen an die Umgebung werden abgebaut (der Lehrer hat schlecht erklärt, der Nachbar hat mich gestört - und ähnliche Äusserungen). Das gemeinsame Gespräch in der Gruppe über die eigenen Ergebnisse muss wiederum von Akzeptanz, Vertrauen und Wertschätzung geprägt sein. In diesem Klima wachsen das Selbstvertrauen, die persönliche Identität und damit die gemeinsame Identität: das Wir-Gefühl.

Verantwortung tragen für das eigene Lernen stärkt das Engagement. Auch aus der Management-Lehre wissen wir, dass Mitarbeiter, denen Verantwortung übergeben wird, sich vermehrt für den Gesamtbetrieb einsetzen, sich mit dem Leitbild identifizieren. Der Leitspruch "From the robot to the pilot" ist unser Kernmotto.

Marcel, 16, hohe musikalische Intelligenz
Ich hatte an allen Schulen immer Probleme mit den Lehrpersonen.
Genervt haben sie mich mit ihren idiotischen Forderungen. Leider wurden nicht die Lehrer von den Schulen geworfen, sondern ich! Anfangs war ich natürlich auch an der LIPSCHULE skeptisch und habe versucht zu provozieren. Zu Beginn habe ich es wie eine Schlappe empfunden; ich hatte mit meinen üblichen Spielchen keinen Erfolg.
Langsam ist mein Misstrauen gewichen. Offenbar sind doch nicht alle Lehrpersonen Dummköpfe. Hier habe ich Persönlichkeiten kennen gelernt, die auch mich ernst nehmen, die mich nicht gängeln, aber doch klare Linien verfolgen.
Während meiner drei Jahre an dieser Schule wurde meine Liebe zum Jazz nie belächelt. Ich wurde sogar voll unterstützt. Meine Lip-Zeit ist nun vorbei; mein Weg geht an die Musikfachschule. Sicher werde ich zurückkommen!

Teamplayer

Stehen Entwicklung, Toleranz und Wertschätzung im Vordergrund, darf und soll ein Team heterogen sein. Je verschiedenartiger die Spieler und deren Meinungen sind, desto kreativer sind die Ergebnisse. Ob Schüler oder Lehrperson, sie alle bereichern das Team, wenn sie die Richtung und die Spielregeln kennen.

An der LIPSCHULE wollen wir die Teamarbeit in seiner Komplexität realisieren. Keine Lehrperson kann sich hinter verschlossenen Türen abkapseln. Ihre Karten liegen offen, ihr Tun kann ständig verfolgt und deshalb auch reflektiert werden. Auch bei ihnen gilt: Baue deine Stärken aus und werde darin ein Profi. Wer mit Mathematik auf Kriegsfuss steht, wird kaum Begeisterung bei den Schülern für die Materie auslösen. Wer seine liebe Mühe mit Auftritten hat, soll nicht die Schule präsentieren müssen. Wer in seinen Gedanken Hegel, Kant, Fromm verfolgt, soll mit den jungen Menschen zusammen philosophieren. Das ist echt – und nur die Echtheit kann das Gegenüber erreichen.

Und die Eltern?

Eltern gehören zum Team. Auch sie müssen grundsätzlich unsere Basis des konstruktivistischen Lernens verstehen und ideell unterstützen. Unsere Aufgabe ist es, sie genügend zu informieren (auch per E-Mail), damit sie die Hintergründe unserer Handlungsweisen nachvollziehen können. Eltern sind an unserer Schule jederzeit ohne Voranmeldung willkommen. Das Hol-Prinzip gilt für sie ebenso: selbst aktiv werden, nicht den anderen zur Bring-Schuld zwingen.

Vor allem in schwierigen Situationen sind Eltern geneigt, auf ihre eigenen mentalen Modelle zurückzugreifen. "So kann es nicht weitergehen!" - "Sie/er ist faul - zwingen wir sie/ihn." - "Mein Kind muss endlich lernen, dass ... (Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans aber noch lange!) In der Folge werden meist umfangreiche Massnahmen in die Wege geleitet: fixe Aufgabenstunden zu Hause, reduzierter TV-Konsum, Nachhilfestunden, gesperrte Freizeitaktivitäten, Überwachungsstrategien von Eltern und Lehrperson. Das Kind als Marionette wird die Übung so lange mitmachen, bis die Umgebung müde wird. Dann stellt sich mit grosser Sicherheit der frühere Zustand wieder ein. Warum? Die Inszenierung ist fremdbestimmt, die Eigenmotivation schwach oder fehlend. Von solchen Szenarien wollen wir uns distanzieren.

Ähnlich ist der Ablauf mit den vielen Zuweisungen in Therapien. Wer die geringsten Symptome von einer Normab-weichung zeigt (Was ist die Norm?), wird in eine Behandlung geschickt. Das Problem ist ausgelagert, die Verant-wortung für eine Lösung delegiert. Ich spreche nicht von absolut nötigen Therapieformen. Doch gemäss Statistik haben in der Schweiz 57% der Kinder nach drei Schuljahren irgendwelche Zusatzhilfen erhalten. Die Erfolgsrate ist nahe bei Null! Das kann wohl nicht die Zukunft sein.

Wir versuchen Eltern davon zu überzeugen, dass diese Symptombehandlung den Kindern in vielen Fällen schadet. Deren Wahrnehmung, etwas stimme nicht mit ihnen, ist nachhaltig. Fokussieren wir die Stärken, glauben wir an die Entwicklungsfähigkeit, akzeptieren aber auch Grenzen. Alles ist nicht machbar, aber vieles, wenn die Umstände und die Reife des Kindes berücksichtigt sind.

Wir sind nicht gegen massvollen Druck, gegen Führung und ein ernsthaftes Wort. Doch wir sind dagegen, dass hier und jetzt nach dem Willen von uns Erwachsenen das geforderte Lernen stattfinden muss. Das funktioniert nicht! Lernen heisst Selbstmotivation, Selbststeuerung und Selbstverantwortung tragen.

PR – eine Frage der Qualität

Bald jede Schweizer Schule hat ein Leitbild in Form von einem mehr oder weniger Kostenintensiven Prospekt, der an die Elternschaft und die Öffentlichkeit abgegeben wird. Diese Imagepflege macht sicher dann Sinn, wenn der Inhalt greifbar und die Umsetzung sichtbar ist. Als Privatschule ist unser Erfolg direkt von der erkennbaren Qualität abhängig. Diese überprüfen wir durch

Rolf, 15
Klar geht es mir an der LIPSCHULE besser als früher. Doch ich finde es auch sehr anstrengend. Ich muss immer selber entscheiden, selber denken, selber die Zeit einteilen. Manchmal wünschte ich mir, die Lehrer würden einfach befehlen und ich müsste nur das Vorgeschriebene ausführen. Dann wüsste ich, dass es in Ordnung ist. Hier muss ich immer selber Stellung beziehen

Die besten Werbeträger sind unsere Eltern. Zufriedene Kinder bedeuten unmittelbar auch zufriedene Eltern. Zu unserem Vorteil gereicht die Gepflogenheit der Eltern, in Gesellschaft das Thema "Kinder und Schule" anzusprechen. Mehr als 75% unserer Kunden gewinnen wir über diese Mund-zu-Mund-Propaganda.

Gute Beziehungen sind auch in unserem Betätigungsfeld von Nutzen. Behörden und Psychologen, Fachleute und Lehrpersonen der öffentlichen Schule haben jederzeit Zugang bei uns. Ihnen offerieren wir regelmässig Weiterbildungsmodule, die erfreulich oft genutzt werden. Auch so bauen wir unseren Bekanntheitsgrad aus.
Mehr und mehr gewinnt zudem der Internetauftritt an Bedeutung. Ein grosser Teil unserer Kunden wird durch Suchmaschinen auf uns aufmerksam.

Anmerkungen:
Praxis Schule 5-10, Heft 2/2003
Vgl. z.B. Rogers, C. R.: Lernen in Freiheit. München 1974;
Deci, E. L./Ryan, R. M.: Die Selbstbestimmungstherorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. In: Zeitschrift für Pädagogik, H. 2/1993, S. 223-238;
Gardner, H.: Abschied vom lQ. Stuttgart 1994

© 2005 LIPSCHULE | Home | ImpressumSeitenanfang Druckersymbol